Inhalative Sedierung

Kardioprotektion


Thema: Analgosedierung

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

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Kardioprotektion

Neben kurzen Aufwachphasen (Jung et al. 2008, Sackey et al. 2004) und kurzen Zeiträumen bis zur Extubation (Hanafy et al. 2005) sind die kardioprotektiven Wirkungen volatiler Anästhetika schon seit Jahren bekannt (Kehl et al. 2004, Schlack et al. 2006). Die koronare Bypass-Operation und die Rekanalisierung nach akutem Myokardinfarkt sind typische Bespiele für Hypoxie und Reoxygenierung. Volatile Anästhetika sollen hier durch Prä- und Postkonditionierung deutliche Vorteile bieten. In einer italienischen Studie waren volatile Anästhetika bei Bypass-Operationen mit signifikant niedrigeren Troponin-Spiegeln assoziiert als unter intravenöser Sedierung (Guarracino F et al. J Cardiothor Vasc Anesth 2006; 20: 477-483), wobei die hämodynamische Stabilität der Patienten besser war (geringerer Inotropikabedarf). Postoperativ war die Liegedauer im Vergleich zu den intravenös sedierten Patienten kürzer, insbesondere mussten weniger Patienten länger als 7 Tage stationär versorgt werden.

Eine Schweizer Studie untersuchte die postoperative Anwendung volatiler Anästhetika (Steurer MP et a. Crit Care 2012: 16: R191). Die Patienten erhielten eine intravenöse Narkose und wurden während des Weanings auf der Intensivstation (4-6 Stunden) volatil oder intravenös sediert. Auch diese späte Postkonditionierung lange nach der Reoxygenierung führte zu signifikant niedrigeren kardialen Bio-Markern.

Guerrero Orriach et al. kombinierten Sevofluran und Propofol in drei Gruppen (Sevofluran intra- und postoperativ, Sevofluran intra- und Propofol postoperativ, Propofol intra- und postoperativ) (Guerrero Orriach JL et al. J Crit Care 2013; 28: 879.e13-879.e18). Patienten, die nur Sevofluran erhielten, hatten signifikant niedrigere Troponin-Werte als die Patienten der beiden anderen Gruppen. Auch der linksventrikuläre Funktionsmarker NT- proBNP war mit Sevofluran nach 24 und 48 Stunden niedriger.

Ein großer retrospektiver Vergleich aus Skandinavien mit u?ber 10.000 Patienten zeigte mit Sevofluran und Propofol eine vergleichbare 30-Tage Mortalität und Myokardinfarkt-Inzidenz (Jakobsen CJ et al. J Cardiothor Vasc Anesth 2007; 21: 664-671). Sevofluran-Patienten hatten jedoch häufiger Kammerflimmern, Propofol-Patienten dagegen häufiger Arrhythmien anderer Genese. In einer spanischen Studie mit 37 Propofol- versus 36 Sevofluran-Patienten (intra- und postoperativ) gab es keine Unterschiede hinsichtlich der kardialen Biomarker und des Inotropikabedarfs (Soro M et al. Eur J Anaesth 2012; 29: 561-569). Auf der Basis dieser Studien gibt es inzwischen explizite Empfehlungen in den Leitlinien: „Die Verwendung volatiler Anästhetika kann vorteilhaft sein bei hämodynamisch stabilen und kardial gefährdeten Patienten“ (Evidenzgrad B Klasse IIa) (Fleisher LA et al. Circulation 2007; 166: 1971-1996).

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Links zum Thema

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Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung, die in der…

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Volatile Anästhetika besitzen extrem kurze kontextsensitive Halbwertszeiten.

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Trotz der allgemein akzeptierten Notwendigkeit einer adäquaten Analgosedierung besteht derzeit weder bei den Intensivmedizinern noch beim Pflegepersonal ein breiter Konsens, wie und mit welchen…

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Was ist das ideale volatile Anästhetikum?

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Technische Voraussetzungen…

Derzeit werden auf dem Markt zwei unterschiedliche Systeme zur Applikation von volatilen Anästhetika zur Sedierung von beatmeten intensivmedizinischen Patienten angeboten

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