Inhalative Sedierung

Das MIRUS-System


…und inhalative Sedierung

 
Prof. Dr. med. Jörg Rathgeber

Jörg Rathgeber

Prof. Dr. med., Hamburg

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Das MIRUS-System

Das MIRUS-System besteht aus dem MIRUS-Controller (MC) - der elektronischen Dosier- und Steuereinheit, sowie dem MIRUS-Exchanger (ME). Beide sind über eine sog. Interface-Line aus mehreren Druckleitungen (u.a. für die Gaszufuhr und das Gasmonitoring) miteinander verbunden. Der MIRUS-Exchanger wird am Patienten positioniert und zwar direkt zwischen Y-Stück und Tubus. Sein wichtigster Bestandteil ist der sog. Reflektor, dessen Carbonfasermaterial das Narkosegas aus der Exspirationsluft des Patienten reversibel speichert und in die nächste Inspiration wieder abgibt. Dadurch soll der Narkosemittelverbrauch reduziert werden. Es handelt sich von der Funktion her um ein miniaturisiertes Kreissystem, wie Anästhesisten es von Narkoseventilatoren kennen – allerdings ohne die CO2-eliminierenden Eigenschaften des Kreissystems.

Der MIRUS-Exchanger ist für eine Standzeit von maximal sieben Tagen ausgelegt. Nach Ablauf dieser Zeit muss das System gewechselt werden. Im Display des MIRUS-Controllers wird die Restlaufzeit des Exchangers angegeben. Ist die Nutzungsdauer abgelaufen, wird der Anwender durch entsprechende Hinweise auf dem Display zum Systemwechsel aufgefordert.

Der MIRUS-Exchanger kann auch für mehrere Patienten nacheinander eingesetzt werden. Kontamination des MIRUS-Exchangers durch Patientenkeime bzw. Kreuzkontamination wird durch den MIRUS-Filter vermieden. Er soll einmal täglich bzw. nach jedem Patienten gewechselt werden.

Der MIRUS-Controller besteht aus dem Gasmonitor, dem Monitor für Beatmungsdruck und –fluss und dem Narkosemittelverdampfer mit Reservoir (250 ml Fassungsvermögen für flüssiges Isofluran, Sevofluran oder Desfluran). Er sorgt für die Verdampfung des flüssigen Anästhetikums in einem beheizten Hochdruckverdampfer sowie die elektronisch getaktete Applikation von definierten Gasportionen in das Inspirationsgasgemisch, und zwar ausschließlich während der Hochflowphase zu Beginn der Inspiration. Während der Exspirationsphase wird kein Narkosegas appliziert.

Durch die Umwandlung des flüssigen Anästhetikums in die Gasphase im Hochdruckverdampfer können auch Gase, deren Siedepunkt im Bereich der Raumlufttemperatur liegt - wie Desfluran - mit höchster Genauigkeit appliziert werden.

Der MIRUS-Controller misst zusätzlich kontinuierlich die Beatmungsparameter wie Flow, Volumina und Beatmungsfrequenzen und verügt über eine integrierte Messvorrichtung zur Überwachung der Narkosegaskonzentrationen in den Atemgasen. Durch Vorwahl des gewünschten MAC-Wertes erlaubt die MIRUS-Kontrolleinheit somit die Einstellung der gewünschten endtidalen Narkosemittelkonzentration, die unabhängig von Atemvolumenschwankungen konstant gehalten wird. Ermöglicht wird dies durch die elektronische Steuerung und Regelung der Gasapplikation unabhängig von Gasflow, Frequenz und Atemvolumina, die kontinuierlich gemessen und angezeigt werden. Dieser sog. MAC-Pilot hält den eingestellten Ziel-MAC konstant, indem er die Gaskonzentration in der Exspirationsluft am Ende der Exspirationsphase misst (etVA-MAC, et = endtidal, VA = volatiles Anästhetikum), die Differenz zwischen der gemessenen etVA-MAC und der eingestellten Ziel-MAC berechnet und diese dem nächsten Atemzug unter Berücksichtigung der reflektierten Gasmenge zusetzt. Dadurch werden Veränderungen der Beatmungsmodalitäten von Atemzug zu Atemzug bewertet und kompensiert. Der MAC-Pilot arbeitet somit ähnlich wie ein Tempomat in modernen Kraftfahrzeugen.

Da die endexspiratorische oder auch endtidale Konzentration der alveolären Konzentration gleichzusetzen ist, erlaubt ihre Messung eine kontinuierliche, vor allem aber valide und zuverlässige Aussage zur aktuellen Narkosetiefe (Eger et al. 1965). Damit entfällt auch die Notwendigkeit zur anderweitigen Messung der Sedierungstiefe wie z.B. mit dem Artefakt behafteten EEG-Monitoring. Das heißt, die Sedierungstiefe kann mit Hilfe der gewählten MAC-Einstellung weitestgehend vorgegeben und überwacht werden.

Für die seltene Situation eines Stromausfalls ist in die Kontrolleinheit ein Akku für einen ca. zehnminütigen Notfallbetrieb integriert.

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Aus dem Inhalt


Nachteile intravenöser Sedativa

Die angepasste Sedierung der Patienten auf der Intensivstation ist schon seit vielen Jahren akzeptierter Standard …

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Klinische Praxis der Analgosedierung

In Deutschland erfolgt die Sedierung von Intensivpatienten heutzutage mehrheitlich durch intravenös applizierbare Substanzen. Weit verbreitet ist die Verwendung von Propofol zur Sedierung, oftmals auch in Kombination mit einem Opioid wie z.B. …

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Was ist das?

Bei beatmeten Patienten in der Intensivmedizin ist eine adäquate Analgosedierung somit nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern auch eine medizinische Notwendigkeit.

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Trotz aller Vorzüge werden volatile Anästhetika derzeit in der klinischen Routine auf der Intensivstation nur vergleichsweise selten eingesetzt.

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Was ist das ideale volatile Anästhetikum?

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Heutige Sedierungsregimes

Trotz der allgemein akzeptierten Notwendigkeit einer adäquaten Analgosedierung besteht derzeit weder bei den Intensivmedizinern noch beim Pflegepersonal ein breiter Konsens, wie und mit welchen…

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Kardioprotektion

Neben kurzen Aufwachphasen […] und kurzen Zeiträumen bis zur Extubation […] sind die kardioprotektiven Wirkungen volatiler Anästhetika schon seit Jahren bekannt…

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